top of page

Innere Ordnung und äußere Struktur fördern

Orientierung ist eine Grundvoraussetzung für psychische Stabilität. Kinder und Jugendliche brauchen sie, um sich sicher in der Welt zu bewegen sowohl im Außen (durch Regeln, Abläufe und Vorbilder) als auch im Inneren (durch Selbstwahrnehmung, emotionale Klarheit und Handlungskompetenz). In der psychologischen Praxis ist es daher zentral, Orientierung nicht vorzugeben, sondern gemeinsam zu entwickeln als stabilisierende Kraft, die Autonomie ermöglicht.


In der Psychoanalyse wird Orientierung als Ergebnis einer inneren Strukturierungsarbeit verstanden. Kinder entwickeln innere Orientierung durch symbolische Verarbeitung von Erfahrungen, durch Bindung und durch das Einhalten und Verstehen von Grenzen. Fehlende Orientierung kann auf ein Übermaß an inneren Konflikten, mangelnde emotionale Spiegelung oder Unsicherheiten im Beziehungserleben hinweisen. Die therapeutische Aufgabe besteht darin, einen Raum zu schaffen, in dem diese innere Desorientierung sichtbar werden darf, um neue innere Ordnungen zu ermöglichen durch Beziehung, Sprache und Reflexion.


In der Gestalttherapie entsteht Orientierung im direkten Kontakt mit der Umwelt. Sie entwickelt sich dort, wo Erfahrungen bewusst gemacht, Muster erkannt und neue Wege ausprobiert werden dürfen. Orientierung ist dabei kein starres Ziel, sondern ein Prozess der Selbstregulation im Hier und Jetzt. Die Therapeut*in begleitet das Kind darin, eigene Wahrnehmungen ernst zu nehmen, Grenzen zu erkennen und sich im Wechselspiel zwischen Stabilität und Veränderung zurechtzufinden. Orientierung entsteht, wenn das Kind in Beziehung mit sich und seiner Umwelt tritt präsent, gespiegelt und ernst genommen.


In der Verhaltenstherapie wird Orientierung als erlernte Fähigkeit betrachtet, sich in sozialen und emotionalen Situationen zurechtzufinden. Dies geschieht durch klare Strukturen, Vorhersehbarkeit und konkrete Handlungsschritte. Therapeutisch bedeutet das: Aufbau von Routinen, Visualisierungen, positive Verstärkung von Orientierungskompetenzen und schrittweise Förderung von Entscheidungsfähigkeit. Ziel ist es, dem Kind Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen es sowohl im Alltag als auch in inneren Konfliktsituationen sicher navigieren kann.


Orientierung ist Halt und Möglichkeit zur Bewegung

Kinder und Jugendliche entwickeln Orientierung nicht allein durch Regeln oder Anweisungen, sondern durch Erfahrungen in Beziehung, durch innere Ordnung und durch das Erleben von Selbstwirksamkeit. In der therapeutischen Begleitung geht es darum, Orientierung nicht zu diktieren, sondern zu fördern individuell, achtsam und mit dem Ziel, innere Sicherheit und äußere Handlungsfähigkeit zu stärken.


Nächster Artikel: P wie Perspektivwechsel Empathie fördern und Selbstbild erweitern.


Crescer com emoção –

Mit Herz und Verstand wachsen

 
 
bottom of page