Erleben verstehen, Sicherheit wiederherstellen
- Joselaine dos Santos Andrade

- 24. Mai 2025
- 2 Min. Lesezeit
Ein Trauma erschüttert. Es durchbricht den Schutzraum des Erlebens und überfordert die psychische Verarbeitung. Bei Kindern und Jugendlichen kann traumatisches Erleben unterschiedlich in Erscheinung treten laut oder leise, körperlich oder seelisch, sichtbar oder verborgen. In der psychologischen Arbeit geht es darum, nicht nur Symptome zu behandeln, sondern das Erleben hinter dem Verhalten zu erkennen und Räume zu schaffen, in denen Sicherheit, Kontrolle und Selbstwirksamkeit wieder entstehen dürfen.
In der Psychoanalyse wird Trauma als Einbruch eines Erlebnisses verstanden, das die psychische Struktur überwältigt und nicht symbolisiert werden kann. Es bleibt unverdaut, fragmentiert und drängt sich in Träumen, Körpersymptomen oder Beziehungsmustern wieder auf. Die therapeutische Arbeit zielt darauf, das traumatische Erleben allmählich in Sprache und Beziehung zu bringen ohne Druck, in eigenem Tempo. Die Therapeut*in bietet einen haltenden Raum, in dem das Unsagbare langsam Form finden darf und eine neue innere Ordnung entstehen kann.
Die Gestalttherapie begegnet Trauma über das unmittelbare Erleben im Hier und Jetzt. Im Fokus steht nicht die detaillierte Rekonstruktion des Ereignisses, sondern das achtsame Spüren. Wo sitzt die Angst? Was braucht Schutz? Welche Ressourcen stehen bereit? Die therapeutische Begleitung betont Präsenz, Regulation und Kontaktfähigkeit. Derdie Therapeutin bleibt nah, ohne zu überfordern, und unterstützt das Kind darin, wieder in den Fluss lebendiger Erfahrung zu kommen mit dem Ziel, Fragmentiertes zu integrieren und neue Handlungsspielräume zu entdecken.
In der Verhaltenstherapie wird Trauma anhand von Symptomen wie Vermeidung, Übererregung oder Wiedererleben strukturiert erfasst. Die therapeutische Arbeit orientiert sich an Stabilisierung, Psychoedukation und dem Aufbau von Coping-Strategien. Erst wenn ausreichend Sicherheit besteht, kann eine behutsame Konfrontation mit traumabezogenen Inhalten erfolgen. Struktur, Vorhersehbarkeit und das Erleben von Kontrolle sind zentrale Elemente der Arbeit. Ziel ist, dass das Kind Schritt für Schritt wieder Vertrauen in sich selbst und seine Umwelt gewinnt.
Trauma verlangt Beziehung, Geduld und Struktur
Traumatische Erfahrungen unterbrechen das Vertrauen in die Welt und oft auch in sich selbst. In der psychologischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen steht nicht das Ereignis im Vordergrund, sondern das Erleben, das daraus hervorgeht. Therapie bietet einen Ort, an dem das Kind wieder Boden unter den Füßen spüren darf geschützt, gestützt und gesehen.
Nächster Artikel: Ö wie Öffentlichkeit , zwischen Sichtbarkeit, Anpassung und innerer Wahrhaftigkeit
Crescer com Emoção –
Mit Herz und Verstand wachsen


